Im Konzept der Sozialraumorientierung ist der Wille das zentrale Element.
Dahinter steht die Erfahrung, dass Menschen dann aktiv werden und Aufwand sowie Rückschläge in Kauf nehmen, wenn ihnen etwas wirklich wichtig und von Bedeutung ist. Also: Wenn sie es WIRKLICH WOLLEN.

Wille als Motor und Wegweiser
Der Wille des Menschen ist die Kraft zur Erreichung seiner Ziele – und damit abzugrenzen von Wünschen, Träumen und Visionen. Letztere können aber Energiespeicher sein, um Interessen und Willen zu fokussieren.
Leistungen zur Teilhabe sind umso erfolgreicher und nachhaltiger, je stärker sie sich am Willen und den Interessen der leistungsberechtigten Person orientieren.
Deshalb sind Versuche, Menschen zu überreden oder zu überzeugen meist vergeblich. Sie führen an der Aktivierung vorbei und verhindern die Entfaltung der Ressourcen.
Schritt 1: Den Willen identifizieren
Das Fundament aller Leistungen zur Teilhabe ist die Ermittlung des Willens.
Um passgenaue Leistungen zur Teilhabe zu entwickeln, gilt es zuallererst, den Willen (konkret oder diffus) zu ermitteln, die für den leistungsberechtigten Menschen vorrangig sind.

Hilfreiche Kernfragen dafür sind:
- Was wollen Sie ändern?
- Was wollen Sie erreichen?
- Wann wollen Sie damit beginnen?
- Welche Ressourcen nutzen Sie?
- Welche Ressourcen müssen noch erschlossen werden?
Der Antrieb geht vom Betreffenden aus. Die Fachkraft orientiert sich an dem Leitsatz „Arbeite nie härter als dein Klient!“.
9 Lebensbereiche
Die 9 Lebensbereiche in der Sozialraumorientierung können dabei helfen, den eigenen Willen mit der Realität abzugleichen.
Diese Lebensbereiche sind Teil der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) und dienen als Grundlage für die Bedarfsermittlung und Planung von Leistungen zur Teilhabe. Zwischen den einzelnen Lebensbereichen gibt es inhaltliche Beziehungen und Verknüpfungen, die Grundlage der praktischen Arbeit sind. Sie bieten eine strukturierte Übersicht, um die eigenen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele in verschiedenen Lebensbereichen zu reflektieren und zu analysieren.
Diese Lebensbereiche sind:
- Lernen und Wissensanwendung
- Aufgaben und Anforderungen
- Kommunikation
- Mobilität
- Selbstversorgung
- Häusliches Leben
- Interaktion und Beziehungen
- Bedeutende Lebensbereiche
- Soziales und staatsbürgerliches Leben
Durch die Betrachtung der 9 Lebensbereiche können wir bewusst reflektieren, wie der aktuelle Stand ist, was gewollt wird und wie die geäußerten Wünsche umgesetzt werden können. Sie helfen dabei den eigenen Willen zielgerichtet mit der aktuellen Lebenssituation abzugleichen.
Schritt 2: Gemeinsam ein Konzept zur Umsetzung erarbeiten
Die pädagogische Arbeit konzentriert sich also in Richtung der Frage:
- Was nehme ich (leistungsberechtigte Person) mir als nächstes vor?
Der formulierte Wille der leistungsberechtigten Person lässt sich mithilfe folgender Fragen zu einer konkreten Planung ausarbeiten:
- Wie kann der Zustand in Zukunft aussehen?
- Was können Sie selbst dazu beitragen?
- Wen oder was kennen Sie, die dabei hilfreich sind oder sein können, Ihren Willen umzusetzen?
- Was sind Ihre nächsten Schritte?
- Haben Sie alles, um jetzt anzufangen?
